Internet of Things

Das Internet of Things ist keine Technologie, sondern eine neue Denkweise

Deutsche Unternehmen hinken in der Digitalisierung hinterher. Und auch bei der Einführung des Internet of Things (IoT) sind sie eher zögerlich unterwegs. Als Berater ist man dabei verwundert und fragt sich, woher diese schon gefährliche Zurückhaltung von CEOs und CIOs bei diesen überlebenswichtigen Themen denn kommen kann.

Bei genauerer Betrachtung des Themas „Internet der Dinge“ fällt auf, dass wir unter diesem Schlagwort über alles und jedes sprechen und das Thema sehr schwer zu greifen ist. Jeder versteht etwas anderes darunter, Schlagwörter wie Industrie 4.0 und Logistik 4.0 fallen. Viele verbinden damit jedoch einfach nur die eigentlich unnötige Digitalisierung von alltäglichen Gegenständen, die ohne Elektronik auch sehr gut funktionieren würden. Ich möchte das Thema an dieser Stelle einmal etwas klassifizieren.

IoT teilt sich in drei Hauptanwendungsbereiche:

  • den industriellen Einsatz in Produktion, Logistik sowie in Prozessabläufen;
  • den Einsatz im öffentlichen Sektor, also im städtischen Raum, bei der öffentlichen Infrastruktur, sowie für den regierungsamtlichen Gebrauch;
  • den Einsatz beim Konsumenten in Läden, Produkten und Services.

Grundsätzlich geht es erst einmal darum, Daten zu sammeln und Elemente interaktionsfähig zu machen: der Container, der Daten über seinen Standort und Zustand an eine Zentrale sendet; die variable Produktionseinheit, die ihre einzelnen Fertigungsschritte selbständig ansteuert; das Flugzeugtriebwerk, das Luftqualität misst und so bestimmte Reinigungen selbst anfordert, um Reparaturen zu vermeiden; die Ladeneinrichtung, die den Kunden mit dessen Smartphone zur gewünschten Ware führt oder individuell Angebote anzeigt; die Straßenlaterne, die Temperaturen und Smogwerte misst und gezielt helleres Licht gibt, wenn eine bestimmte IoT-Einheit (ein Auto, ein Fußgänger mit Smartphone) in Reichweite ist. Letztlich werden jedoch nicht einfach Produkte digitalisiert, sondern Prozesse neu gestaltet. Tatsächlich funktionieren diese Systeme immer nur im Zusammenspiel mit anderen und nur so gut, wie auch die Datenbasis und die Durchgängigkeit der Umsetzung ist. So können vorhandene Prozesse optimiert werden.

Leider wird die Diskussion – ähnlich wie in anderen Bereichen der Digitalisierung – oft falsch geführt. Jeder kennt in diesem Umfeld Beispiele, bei denen man sich fragt, ob und wie man das braucht. Den intelligenten Kühlschrank kann man sich nicht wirklich vorstellen, weil man Anwendungsszenarien kennt, die digitalisiert nicht funktionieren würden. Dem Kühlschrank wird dann gerne unterstellt, er ordere selbständig Milch, obwohl ich morgen in Urlaub fahre. Die für den Prozess „sich automatisch auffüllender Kühlschrank“ notwendigen Daten sind im Konsumentenbereich nicht durchgängig sicherzustellen – der Gesamtprozess, der dafür digitalisiert werden müsste, ist zu komplex und beinhaltet zu viele unterschiedliche Variablen und Einflussfaktoren. Die Diskussion dreht sich trotzdem oft nur um das Gerät an sich, nicht um den digitalisierten Prozess. Hieraus entsteht ein falsches Bild, das nur schwer abbaubar ist.

Im industriellen Bereich ist die Digitalisierung grundsätzlich einfacher, da die Kontrolle über die Daten und die Prozesse klarer geregelt ist. Die so digitalisierten Prozesse, z.B. der o.g. Reinigungsprozess des Flugzeugtriebwerks, sind schneller, effektiver, wesentlich variabler und auch kostengünstiger. Sie schaffen klare Wettbewerbsvorteile. In der Umsetzung müssen jedoch meist erst neue Systemschnittstellen geschaffen und zusätzliche Daten ermittelt, analysiert und dem Prozess zur Verfügung gestellt werden.

Dies führt zu zwei weiteren Aspekten des IoT:

  • Der Menge und Analyse der Daten – wie kann ich die richtige Menge Daten ermitteln und entsprechend auswerten, um qualifizierte Erkenntnisse zu gewinnen?
  • Der Quelle und Sicherheit der Daten – wer hat die Hoheit über die Datenquellen, bekomme ich zu jeder Zeit die Daten, die ich brauche, kann ich diesen Daten zu jeder Zeit vertrauen, und sind die Datenquellen sicher gegen Angriffe?

Tatsächlich ist sowohl die Menge als auch die Sicherheit der Daten von entscheidender Bedeutung für eine funktionierende IoT-Anwendung. Einerseits muss ich in der Lage sein, relevante Daten zu sammeln, quantitativ verarbeiten und analysieren zu können. Andererseits muss ich mich sowohl auf den Datenstrom als auch auf die Korrektheit der Daten verlassen und darf mit meinem System keine ungesicherten Einfallstore bieten, die von Hackern als Angriffsflächen genutzt werden können. Hieraus ergeben sich eine Vielzahl von Anforderungen, die diese Systeme extrem komplex und aufwändig machen können.

Grundsätzlich ist das Internet of Things keine Technologie, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeführt wird – und mit der man gerne noch ein paar Jahre warten kann. Es ist – genau wie alle anderen Themen der Digitalisierung – eine neue Denkweise, die auf der Frage basiert, wie und wo ich welche Daten ermitteln und kombinieren kann, um Abläufe und Prozesse zu optimieren oder ganz neu zu gestalten. Die Variabilität und ständige Optimierung interner Prozesse sind ein wesentlicher Faktor der Wettbewerbsfähigkeit und daher für jeden Unternehmen überlebenswichtig. Je eher ich mich in meinem Unternehmen mit dieser Denkweise beschäftige, IoT als Prozessoptimierer verstehe und IoT auch unter dieser Perspektive einsetze, desto eher wird mein Vorsprung vor meinem Wettbewerb erhalten bleiben.

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