Digital Transformation

Digitalisierung wird Mainstream

Bottom Line (ICT-Anwenderunternehmen):

„Telekom Dialog“ war eine zweitägige Veranstaltung im November, bei der die Deutsche Telekom ihre Kunden nach Berlin geladen hatte und die Strategie für wichtige Trendthemen vorgestellt hat. Außerdem lud BMC Software zu ihrer Anwenderveranstaltung BMC Exchange ein.

 

Anwender-Veranstaltungen statt großer Messen sind im Trend, und der Herbst ist traditionell eine gute Jahreszeit für Events in netten Locations wie beispielsweise dem E-Werk in Berlin-Mitte. Dorthin hatte kürzlich die Telekom zum „Telekom Dialog“ eingeladen. Inhalt war neben dem Dialog der Kunden der Deutschen Telekom mit den Mitarbeitern des Bonner Unternehmens durchaus auch der Dialog der Kunden untereinander. Damit war die Veranstaltung ein großer Erfolg.

Die Telekom bemüht sich, in den drei Themen Massenindividualisierung, Augmented Realtiy und Künstliche Intelligenz mitzuspielen. Das ist ein guter Plan, denn alle drei Trends benötigen vor allem Kommunikationsinfrastrukturen mit einem sehr hohen Datendurchsatz. Das heißt auch, dass das Internet und „die Digitalisierung“ für Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom keine disruptive Störung, sondern goldene Zeiten verheißen. Schließlich muss jede App und jeder neue Service in Form von Bits übertragen werden. Ändern werden sich bestimmt die Preis- und Abrechnungsmodelle.

Ein Thema des „Telekom Dialogs“ war besonders interessant, weil dort die Erforschung der Herangehensweisen und Methodiken für die neue digitale Welt stattfindet: Design Thinking. Die Telekom setzt hier intern auf neue Formen der Zusammenarbeit und der Produktentwicklung, wobei alle denkbaren Ideen bezüglich „Viability“, „Feasibility“ und „Desirability“ eine kleine Schnittmenge mit einem neuen Produkt ergeben, das im Markt erfolgreich sein könnte.

Produktentwicklung

Abbildung: Produktentwicklung durch Schnittmengenbildung. Quelle: Deutsche Telekom AG.

Bei der Ausarbeitung der Idee geht es der Telekom zufolge nicht mehr darum, die Lösung zu beschreiben und zu entwickeln, sondern ein Ziel vorzugeben. Auch die Arbeitswelt wird sich hier ändern, denn „wir fangen nicht mit flächendeckenden Tarifverträgen an, wenn es um den Einkaufsprozess bei Design Thinking geht“, wie Telekom Senior Vice President Dr. Reza Moussavian erläuterte. Er wies auch auf mögliche Fallstricke hin, wie zum Beispiel die Idee, dass man Design Thinking allein dadurch erreiche, indem man ein cooles Büro mit Hipstern in Berlin eröffne.

Nicht ganz nachvollziehbar ist, wieso das Ergebnis solcher Prozesse – wie man es inzwischen oft in der IT-Branche hört – das „minimum viable product“, also das gerade mal so funktionierende – bzw. den minimalen Anforderungen entsprechende – Produkt, sein soll. Es wäre durchaus im Interesse der Verbraucher, wenn auch durch moderne Entwicklungsmethoden keine Banana Ware entstünde, sondern ein Produkt, ein Service, der tatsächlich funktioniert, einen Nutzen bringt und für den es womöglich auch einen Support gibt.

Einhundert Projekte gäbe es heute schon, die bei der Telekom nach deren Design-Thinking-Verfahren geführt werden.

Diese Projekte könnten dann zu Moonshot-Projekten werden. Moonshot-Projekte haben, so Christian von Reventlow, Chief Product & Innovation Officer der Deutschen Telekom, eine Bedeutung wie die Entwicklung eines Gefährts, das Menschen zum Mond und zurück bringe.

Moonshots

Abbildung: Identifizierung von Moonshot-Projekten. Quelle: Deutsche Telekom AG.

Diese Moonshots bräuchten die neuen Entwicklungsparadigmen wie eben das Design Thinking, aber sie benötigen eben auch ganz praktische Dinge wie Breitbandnetze.

Auch bei BMC Software stand die Digitalisierung im Mittelpunkt der Keynotes. Die Anwenderkonferenz BMC Exchange fand Mitte November in Mainz statt. Excutive Vice President und oberster Vertriebsleiter Paul Appleby brachte den Anwendern und Partnern seine Sicht auf die aktuellen Trends in der IT nahe. Dazu gehören Cloud Computing, Big Data, Virtual Reality, autonome Fahrzeuge, Advanced Robotics, Blockchain, Internet of Things/Everything (IoT/IoE) und das mobile Internet. In jedem Fall bleibt für die IT noch eine Menge zu tun, um all diese digitalen Konzepte schlussendlich zu betreiben. Beispielsweise beim effizienten Change Management. Gerade durch Trends wie Cloud und IoT wird die IT-Infrastruktur eines Anwenderunternehmens komplexer mit einem entsprechenden Aufwand an IT Analytics, IT Service Management, Change Management etc.

Interessant waren auf der BMC Exchange die Anwendervorträge, teils technischer, teils strategischer Natur, darunter von IKEA. Auch die Vorträge und Gesprächsrunden von Partnern waren spannend, auch wenn sich die Vertreter einiger Firmen gegenseitig zu überbieten versuchten, was die Erfolge der Digitalisierung betraf.

Dies waren bei weitem nicht alle Veranstaltungen, die im November liefen und von Experton-Advisors besucht worden sind. Interessant ist jedoch, wie unterschiedlich bei einigen Sprechern das Fazit zum Thema Digitalisierung ausfällt. Während für die Telekom Deutschland GmbH feststeht: „Alles was digitalisiert werden kann, wird digital“, ist das Fazit des Infrastructure Solution Area Designers von IKEA IT, Peter Zumbrink, auf die Frage, ob es für ein Möbelhaus im Zuge der Digitalisierung nicht egal sei, ob das Geschäft digital oder stationär gemacht würde, etwas differenzierter: „Nichts ist egal, sonst sind wir in zehn Jahren ein Möbelhaus wie jedes andere“. Und Zumbrink fügt hinzu, dass zwar interne Prozesse immer weiter digitalisiert werden, das IKEA-Möbelhaus aber auch künftig der eigenen Strategie und Unternehmenskultur treu bleibt, nämlich ein Teil der Familie zu bleiben.

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