Client of the Future, Mobile Enterprise

Google bläst zum Sturm und präsentiert AI als Nachfolgevision von Mobility – einfach wird das nicht!

Immer wenn der CEO eines weltweit führenden Unternehmens mit hohem Einfluss auf seinen Markt eine Vision darlegt, lohnt es sich, diese zu untersuchen. Google hat vor zehn Jahren die Vision „Mobile First“ ausgerufen. Diese wurde von vielen Anbietern auch im B2B-Umfeld, beispielsweise von IBM, aufgegriffen.

Nun hat der Google-CEO, Sundar Pichai, die künstliche Intelligenz – bzw. AI (Artificial Intelligence) – zum neuen heiligen Gral erhoben. Der Zeitpunkt für eine neue Vision ist sicherlich sinnvoll gewählt. Mobile First ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber so gut wie bei jedem IT-Entscheider auf der Agenda angekommen. Auf der Prioritätenliste dürfte das Thema Mobility neben anderen Topics wie Security und Cloud immer noch einen hohen Stellenwert einnehmen.

Smartphones verschwinden nicht über Nacht

Ob das ebenfalls von Pichai angekündigte Ende der Smartphones bald eintritt, wagen wir sehr stark zu bezweifeln. Noch ist uns das eigene Smartphone als intimer Begleiter genauso wichtig wie die Geldbörse. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass dieses Accessoire bald verschwindet. Möglich ist, dass eine neue Flut von Endgeräten dazukommt. Mit der Killer App „Schrittzähler“ ist die Smartwatch relativ rasch in den Markt gekommen.

Intelligence verlagert sich von Hardware auf Software

Wir sehen sicherlich eine deutliche Entkopplung von Intelligenz und Hardware. Es ergibt wenig Sinn, beim Neukauf eines Autos ein Navigationsgerät für 2.500 Euro zu wählen, wenn man die Lizenz für TomTom für 20 Euro pro Jahr auf das Smartphone bekommt.

AI wird Zeit brauchen, bevor das tägliche Leben entscheidend beeinflusst wird

Doch wird Artificial Intelligence wirklich in naher Zukunft großflächig den Markt erobern und unser Leben erleichtern? Die Vision „AI First“ ist aus folgenden Gründen gewagter als „Mobile First“:

  • Die Smartphone-Revolution war von Apple gezündet und schon im Gang, als Google auf den Zug aufsprang. Endkunden haben bereits vor den Fachläden Schlange gestanden, um ein kleines schwarzes oder weißes Gerät für 600 Euro zu ergattern. Bei AI gibt es noch keinen vergleichbar funktionierenden Markt.
  • Es gibt sehr eindringliche Warnungen von Koryphäen wie Physiker Stephen Hawkins und Elon Musk, dem CEO von Tesla. Beide befürchten neben hunderten von weiteren Wissenschaftlern, dass AI irgendwann außer Kontrolle gerät und automatisierte Kriege geführt werden.
  • AI ist noch lange nicht marktreif. Die Basisanwendung für AI ist der Assistent mit Sprachführung. Dieses Konzept ist bereits über 30 Jahre alt. Zwar ist die Spracherkennung von Siri und Co. deutlich verbessert worden. Doch solange das System immer noch im Internet nach “Hörgeräten“ sucht, wenn ich meine Frau (Margaret) anrufen will, ist auch das noch ein weiter Weg.
  • Endkunden erkennen noch keinen wirklichen Mehrwert in AI-Anwendungen, für die sie bereit sind, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Die hier dargestellten Punkte bedeuten nicht, dass es völlig unmöglich ist, diese Vision zu realisieren. Auch Wettbewerber wie Amazon, Apple, IBM, Microsoft und weitere forschen an diesem Thema. Nur, der Weg ist noch weit, und die Hürden sind vielfältig.

Google muss beweisen, dass die Vision ernst gemeint ist

Um es zu schaffen, müsste Google langfristig sehr viele Ressourcen auf das Thema fokussieren, um dann als Marktführer hervorzugehen. Es gibt in der ICT-Branche durchaus Beispiele, wo das gelungen ist. Eins der eindrucksvollsten ist die etwa siebenjährige Kreation des Marktes „IP Telephony“ von Cisco.

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