Mobile Enterprise, Social Business

USA und China im Mobile-Messaging-Wettkampf – wer macht das Rennen?

Zahlreiche Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 35 Millionen Menschen Whatsapp regelmäßig als mobilen Messenger auf ihrem Smartphone nutzen. Damit liegt die App – hier geht es ganz überwiegend um die Nutzung durch Privatkunden – mit einem Marktanteil von gut 63 Prozent weit vor den Konkurrenten wie Skype (16 Prozent), Facebook Messenger (15 Prozent) oder Google Hangouts (5 Prozent) (Quelle: BITKOM Research 06/2016). Allen Anbietern ist gemein: es handelt sich um US-amerikanische Firmen, die hierzulande besonders beliebt sind.

Während man in Deutschland also davon ausgeht, dass die Verwendung von Mobile-Messaging-Diensten „modern“ sei und selbst ältere Semester mittlerweile die Dienste erfolgreich nutzen und somit vermeintlich den Sprung in die digitale Welt geschafft haben, zeichnet sich in China bereits ein ganz anderes, wesentlich fortgeschritteneres Bild hinsichtlich Mobile Messaging. Selbstverständlich sind solche Dienste auch dort ungemein populär. Die hierzulande kaum genutzte App WeChat des chinesischen Herstellers Tencent wird in China von rund 650 Millionen Menschen genutzt.

WeChat – eine „App“ für alles?

Doch was ist WeChat, und inwiefern unterscheidet sich der Dienst von den US-amerikanischen Angeboten? Weixin – wie der Dienst im chinesischen Markt offiziell heißt – ist bereits seit 2011 verfügbar und erfreut sich nach wie vor rasanter Wachstumszahlen – vornehmlich noch in asiatischen Märkten – die auch die amerikanische Konkurrenz nicht kalt lassen, denn der Dienst wird bereits seit langer Zeit als der Trend der Volksrepublik gehandelt, der tatsächlich global erfolgreich sein könnte und sogar Dienste wie Facebook bedroht. Grund dafür ist maßgeblich die Funktionsweise von WeChat, die grundsätzlich von Beginn an auf den mobilen Gebrauch ausgelegt war und zahlreiche Funktionen aus den unterschiedlichen, hier verfügbaren sozialen Netzwerken und Plattformen wie Facebook (Profilseiten, persönliche Statusnachrichten), Whatsapp (Text-, Sprach-, Videonachrichten – privat oder in Gruppen), Instagram (Bilderfilter) und E-Commerce-Plattformen (Online-Handel, Bezahlsysteme) kombiniert. WeChat fungiert dadurch mittlerweile als zentrale Service-Plattform für die Organisation des Alltags von Millionen von Chinesen – Online Shopping, Überweisungen, Taxidienste, persönlicher Assistent, Flirt App: alles möglich und inklusive. Das Ziel hierbei ist ganz klar: WeChat möchte die zentrale und erste Anlaufstelle für die digitale Welt werden und hat damit enormen Erfolg im chinesischen Markt. Einzelne Apps für Dienstleistungen wie Hotel- oder Taxibuchungen werden dadurch überflüssig und in einem gemeinsamen „Stream“ zusammengefasst – Datensammlung und -auswertung inklusive.

Silicon Valley hinkt hinterher

US-Anbieter wie Facebook werden dabei selbstverständlich nervös – die Übernahme des Messengers WhatsApp und die Etablierung des eigenständigen Facebook-Messengers war dabei nur der Anfang. Mittlerweile ist Facebook dabei, sein Netzwerk mehr und mehr ebenfalls zu einem Service-Kanal umzugestalten. Mancherorts (in den USA) lassen sich bereit seit Anfang des Jahres schon Uber-Fahrer über den Messenger ordern. Und auch Partnerschaften zu diversen Buchungssystemen sind bereits verhandelt. Doch mit dieser Entwicklung ist man noch weit hinter den Chinesen. WeChat fungiert bereits jetzt als enorm umfangreiches Ökosystem mit offenen Schnittstellen, in welches ganz leicht andere Dienste eingebunden werden können. So können Nutzer beispielsweise bestimmten Firmen, respektive deren Profilseiten, folgen und bekommen automatisch auf sie zugeschnittene Angebote. Klickt der Käufer auf solche Angebote, gelangt er – ohne es zu merken – auf eine eigens für die mobile Nutzung optimierte Subseite des Anbieters und kann hier direkt – via WeChat Wallet (einem QR-Scanner, der nur kurz die Rechnung scannen muss) – einkaufen. Einfacher und kundenfreundlicher geht es kaum.

Was kommt nun?

Tencent leitet die Zukunft bereits ein. Kürzlich gab man bekannt, nun ein eigenes System entwickelt zu haben, dass Apps sowie Appstores wohl künftig überflüssig machen könnte. Xiaochengxu (etwa „kleines Programm“) nennt sich die Funktion und ermöglicht, mobile Dienste direkt über einen QR-Code bzw. eine Suche in WeChat aufzurufen, ohne eine entsprechende App dafür öffnen zu müssen. Dort, wo aktuell bei WeChat noch Grenzen gesetzt waren und man bestimmte Services nicht über den Messenger erledigen konnte, sondern eine eigene App brauchte, soll nun für Entwickler ein direkter Platz geschaffen werden, um Dienste und Produkte direkt in WeChat zu integrieren.

Für Android-Nutzer wären dies gute Nachrichten, da der Google Play Store in China blockiert ist, könnten Nutzer durch Xiaochengxu nun wieder neue Funktionen nutzen. Apple hingegen dürfte dies gar nicht schmecken: Verdiente man bisher mit dem App Store gutes Geld durch entsprechende Provisionen, würden diese wohl wegfallen. Zusätzlich hätte man keine Kontrolle mehr darüber, welche Apps nun auf dem iPhone landen und welche nicht.

Tencent schwieg bisher zu strategischen Plänen – es bleibt spannend.

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