Cloud Computing, Digital Transformation, Internet of Things

Atos – ein sportlicher Riese seit 1992: Erfahrungsbericht vom Atos Analyst Briefing 7. Juli 2016 in Barcelona

Heiko HenkesHeiko Henkes:

Dass Atos die Olympischen Spiele hinsichtlich der IT und Security „schmeißt“, ist eigentlich keine große Neuigkeit mehr. Atos ist seit vielen Jahren der IT-Provider der Olympischen Spiele und ist inzwischen mehr als routiniert in dieser facettenreichen Aufgabe. Die Komplexität dahinter ist jedoch meist im Verborgenen geblieben.

Zum Vergleich: Die Aufgabe von Atos, um die IT und speziell auch Cloud Services für die always-on IT- bzw. Kommunikationssysteme bereitzustellen, gleicht inzwischen der einer Unternehmensführung mit 200.000 Mitarbeitern, die im7x24-Rhythmus vier Millionen Kunden bedienen und dabei kontinuierlich neuen Standorte etablieren.

Quelle: Atos.

Die Erfahrung von Atos zeigt sich nicht nur in dem bislang schon mehrfach demonstrierten Können, einen solchen Event reibungslos über die Bühne zu bringen, sondern auch in der notwendigen Disziplin des Projektmanagements. Atos hat sich zum einen noch keine Patzer in der Bereitstellung sämtlicher IT-Systeme und deren Absicherung geleistet. Darüber hinaus besitzt Atos aktuell noch keine genaue Kenntnis der Anforderungen neuer Standorte der Olympischen Spiele bis 2024, muss allerdings die stetig steigenden Anforderungen an bspw. die Echtzeitübermittlung von Daten (birectional) abschätzen und langfristig planen – der Vertrag steht schließlich. Gleiches gilt für den Service & Support, der 2014 schon durch Bots von Plattformen wie gupshup bereitgestellt werden konnte.

Cloud hält auch bei Olympia Einzug

2016 ist das erste Jahr, in dem Atos die Olympischen Spiele aus einer Private Cloud liefert. Wurde 1992 die erste Client/Server-Architektur eingeführt, so sind die Anforderungen inzwischen um ein Vielfaches gestiegen und brauchen wesentlich mehr Sicherheit und Performance im digitalen Backbone der Olympischen Spiele. Ohne die Cloud-Technologie und –Standardisierung wäre es beispielsweise nicht möglich, Videos mit Echtzeitdaten zu verbinden und für Apps ein einheitliches Datenmodell aufzubauen und Content plattformübergreifend auszuliefern.

Zuschauer sind es heute gewohnt, ohne Verzögerungen auf ein breites Set von Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort zugreifen zu können. Außerdem möchten sie nicht erst warten müssen, um die neusten Kommentatoranalysen basierend auf einem Mix von Alt- und Neudaten präsentiert zu bekommen. Heutzutage muss alles in Echtzeit und bitteschön auch mit toller Usability zur Verfügung stehen. In dieser Hinsicht durchlief Atos in den letzten Jahren eine stetige Transformation in Richtung Digital.

Quelle: Atos.

Volle Digitalisierung

Ein Auszug des Profils von Atos aus dem Digital Transformation Vendor Benchmark 2016 (DTVB) zeigt folgende Stärken:

  • Atos ist Top-Leader im DTVB und punktet mit ausgefeilten Digital Business Models, dem Innovation Center München (Zero E-Mail, Scientific Community) und vor allem einer Thought Leadership sowie großem Verständnis für modernes KPI-Development
  • Die Stärken liegen im Beratungs- und Integrationssegment und immer häufiger in Produkten/Lösungen bzw. UCC  sowie digital abgesicherten Workplaces
  • Atos besitzt ein sehr breites Portfolio und tiefgreifendes Methoden-Set in allen bedeutenden IT-Trendthemen, womit Atos zu den Top-Leadern im Kontext Full IT Business Transformation zählt
  • Atos unterhält Kooperationen mit Hochschulen in Deutschland, C-Labs zum Thema Big Data
  • Die Engineering- und Off-Shore-Ressourcen von Atos
  • Die inzwischen starke technologische Basis – nicht zuletzt durch Bull
  • Die Stärke in Methoden
  • Ein klarer strategischer Fokus auf das Thema IoT, belegt durch die neue IoT Business Unit und die dedizierte Entwicklungs-Roadmap zu I4.0/IoT
  • Die Initiative Gemini 4.0 dient zur Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen rund um Industrie 4.0/IoT
  • Die Kompetenzen von Atos im Thema Social Business in der Beratung und hinsichtlich eigener Produkte

Daneben bestehen aber auch noch folgende Herausforderungen für Atos:

  • Die Verbesserung des Branchentiefgangs, der oberhalb der Infrastruktur nicht immer eindeutig vorhanden ist
  • Hinsichtlich Cloud Computings besteht eins große Abhängigkeit von Canopy bzw. auch VMware im Kontext EMC – Produktinnovationen werden hier ausgebremst
  • Hinsichtlich Social Business: Eigene Produkte werden durch den Zukauf von Unify gefährdet und müssen auch für Bestandskunden gelöst werden
  • Das organische Wachstum ist überschaubar und sollte optimiert werden
  • Die Internationalität, gekoppelt mit anorganischen Zukäufen, stellt interne Prozesse auf die Probe – Atos muss sich hier stetig weiter transformieren
  • In Bezug auf Big-Data-Projekte heißt es für Atos in Zukunft häufiger über PoCs hinauszukommen
  • Hinsichtlich Internet of Things (IoT) / Industrie 4.0 (I4.0): Die bislang ungenügende Thought-Leadership-Position im deutschen Markt zum Thema I4.0/IoT (Leader sind hier Bosch oder PTC) sollte stark verbessert werden
  • Strategische Projekte mit dem bedeutenden Partner Siemens sind noch ausbaufähig zum Thema I4.0/IoT
  • Der Ausbau des eigenen Ökosystems rund um die eigene IoT-Plattform ist notwendig

Im Detail: Denkt man allein an die unzähligen Messdaten der Athleten und der Umgebung, die in Rio von zusätzlichen Helfen Vorort erhoben und an Atos übermittelt werden, so wird schnell klar, dass diese natürlich nicht nur in Windeseile abgespeichert werden müssen, sondern vor allem dem Millionenpublikum und den Kommentatoren aus verschiedensten Blickwinkeln inklusive den historischen Messdaten und Ableitungen präsentiert werden müssen. Dafür hat Atos bspw. ein sehr interessantes Communication Center entwickelt, das jegliche Hintergrundinformation pro Sportart individuell aufbereitet und device-unabhängig zur Verfügung stellt. Mit diesen Bordmitteln gelingt es dann den Kommentatoren, das Publikum mit Erläuterungen und Einschätzung zu aktuellen Bestzeiten mit denen vergangener Tage auf Knopfdruck zu verblüffen.

Ferner hat Atos auch den Olympic Video Player (OVP) weiter optimiert, um den Zuschauern Medienergebnisse sowie Informationen zu den Veranstaltungen und Athleten zu übermitteln. Für die Medien- und News-Distributoren stellt Atos konkrete folgende Systeme bereit:

  • CIS: Das Commentator Information System wird zentral vom Technology Operations Centre aus verwaltet. Kommentatoren und Journalisten erhalten über die touchscreen-basierte Technik die Ergebnisse in Echtzeit, noch bevor die ersten Jubelschreie der Zuschauer zu hören sind. Zum ersten Mal haben die Sender zudem Zugriff auf das System für das gesamte Programm der Olympischen Spiele und die zwölf Sportarten der Paralympics.
  • myInfo+: Eine Internetanwendung, mit der akkreditierte Medien, Sportfunktionäre und Athleten verfügbare Informationen abrufen können. Erstmals werden Ergebnisse für alle Sportarten der Olympischen Spiele und der Paralympics live bereitgestellt. Die Anwendung bietet außerdem Informationen zu Wettkampfzeitplänen, Medaillenspiegeln, Transport und sportlichen Rekorden. Alle Informationen sind über Laptops zugänglich. Benutzer können ihre Startseite individuell anpassen, sodass Informationen zu den Nationen, für die sie sich besonders interessieren, hervorgehoben werden.

Global Delivery

Das globale Delivery bewerkstelligt Atos über die EMC–Partnerschaft bzw. Canopy als Cloud Factory. Die Teststellungen für das digitale Backbone wurden in London aufgebaut und als Private Cloud Best Practice für die jeweiligen Knotenpunkte über die Welt ausgerollt. Dieses Vorgehen soll auch für Pyeongchang 2018 in Südkorea sowie Tokio 2020 zur Anwendung kommen.

Quelle: Atos.

Ohne Fleiß kein Preis!

Atos baut auf ein Value Creation Ecosystem – SIAM – für die Bewerkstelligung dieser Mammutaufgabe mit vielen Partnern und heterogenen Disziplinen.

Operational Excellence

Quelle: Atos.

Als IT-Provider der Olympischen Spiele gewinnt Atos von Jahr zu Jahr mehr Erfahrung und Reputation hinzu. Daher ist es nur logisch, dass Atos aus interner Sicht nicht nur die Qualität der IT Delivery erhöhen möchte, sondern auch die Optimierung der Marge bzw. Profitabilität ein bedeutendes Thema ist. Zudem ist die Bereitstellung dieser Unternehmung, die einem 200.000 Mitarbeiter-Unternehmen gleicht, der Business Accelerator für Atos.

Für Kunden ist Atos nicht zuletzt attraktiv, weil es vorbildliche Innovation Center gibt, die IT und Komplexität greifbar und verständlich machen. Vor allem muss Atos keine Angst vor komplexen Fragen seitens Kunden haben, da die Olympischen Spiele den Benchmark in Sachen IT-Komplexität und –Security darstellen. Es wird nur selten Kundenprojekte mit komplexeren Anforderungen an die IT und ihre Sicherheit geben. Atos demonstrierte eindrucksvoll ein breites Set verschiedenster Kundenprojekte außerhalb der Olympischen Spiele und konnte während des Briefings immer wieder einen Link zu den Projektanforderungen für Rio herstellen. Auch auf kritische und fordernde Fragen hatte Atos gute Antworten parat, was von großer Routine und einem ausgeprägten Lösungsverständnis herrührt.

Digital Transformation – heißt bei Atos Menschen, Prozessen und Technologie zusammenbringen

Atos bringt mit dem Ansatz für Rio 2016 verschiedenste Dimensionen und Aufgaben zusammen und zeigt hier eine exzellente digitale Transformation an sich selbst. Das Zusammenbringen von Menschen, Prozessen und Technologie ist hier absolut ausschlaggebend. Diese Dimensionen decken sich auch mit dem Verständnis von Experton Group im Thema Digital Transformation.

Digital Transformation

Quelle: Atos.

Für Atos stehen neben der Zusammenführung der drei Dimensionen folgende Punkte im Vordergrund:

  • Customer Experience,
  • Business Reinvention,
  • Operational Excellence und
  • Trust & Compliance.

Die „Core DNA“ von Atos befähigt das Team zum exzellenten Umgang mit Daten im Infrastruktur-Management, das 60 Prozent des Geschäfts ausmacht. Dazu zählt im Kontext der Olympischen Spiele und den vielen mobilen Datenpunkten auch, Daten mobil in Echtzeit zu übertragen, um Ergebnisse bzw. News in Bruchteilen von Sekunden weltweit ausspielen zu können. Allerdings hat sich Atos über die letzten Jahre hinweg stark weiterentwickelt und versteht es inzwischen wie nur wenige andere Full Service Provider im IT-Umfeld, Infrastrukturthemen mit Prozessthemen und dem Thema Change und Partner Management zu verheiraten.

Daher arbeitete man bereits bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Microsoft zusammen, um die Daten über die Azure Cloud bereitzustellen und eigene Engpässe zu überbrücken sowie Zugriff auf zusätzliche Features der Microsoft Public Cloud zu erhalten. Die nun eigens aufgebaute Dedicated Private Cloud für Data Mining und Monitoring sowie Reporting wird zentral aus Großbritannien für Tests aufgebaut und für das Go Live dupliziert bzw. verdreifacht. Atos hat diese auf Basis der gesammelten Expertise ausreichend groß dimensioniert und Stresstests unterzogen.

Safety first – Atos ist ein Security-Spezialist

Die Devise lautet Zero Incidents. Die Spiele, die immer stärker von IT durchdrungen sind, müssen einfach zu jeder Zeit und jedem Ort laufen. Vor vier Jahren verzeichnete man im System der Olympischen Spiele schon 255 Mio. IT Alerts, die frühzeitig analysiert und blockiert bzw. behoben werden mussten. 2016 wird diese Zahl noch um ein Vielfaches ansteigen – so viel steht fest. Als Lieferant und Ingenieur von Miltär-Software ist dies für Atos aber kein großes Problem, da man auch hier wieder die langjährige Erfahrung mitbringt und inzwischen auch „predictive“ geworden ist. Atos hat also auf Basis von künstlicher Intelligenz und der Big-Data-Expertise durch eigene Kraft die nötigen Kompetenzen, um die Systeme automatisiert in die Zukunft schauen zu lassen und frühzeitig Ableitungen aus vielen kleinen Vorkommnissen bzw. auch Ungereimtheiten verschiedenster Art zu ziehen.

Die menschliche Komponente im Technical Technology Operations Center (TTOC) in Rio ist hier aber auch keinesfalls in den Hintergrund gerückt. Der internationale Riese Atos stellt ein lokales Team von 500 Mitarbeitern für Service & Support bereit. Die Plattform ist auch hier mit ITSM as a Service über ServiceNow äußerst professionell und State of the Art.

Die Planung für Rio läuft nun schon seit 2012 und untergliederte sich dabei in Plan, Design, Build, Test und ab dem 5. August auch Operate im Live-Betrieb. Die Transition-Phase für das Deployment ist inzwischen abgeschlossen.

Rio 2016 Timeline

Quelle: Atos

Mögen die Spiele beginnen

Persönlich muss ich gestehen, von dem Team bei Atos wirklich sowohl menschlich als auch fachlich beeindruckt sein. Der Umgang mit großen Herausforderungen und das Engagement im Team sind herausragend und vorbildlich. Atos gewinnt aus allen Ebenen und vor allem im Thema Markt Reputation und Glaubwürdigkeit durch die Bereitstellung der IT für die Olympischen Spiele. Dies spiegelt auch der langjährige Vertrag für die Bereitstellung der IT wieder.

Konkret sind es folgende Systeme, die Atos für Athleten, Kommentatoren und das Publikum vorhält:

  • Games Management-Systeme: Verfügbar über die Cloud des lokalen Partners von Rio 2016, unterstützt dieses System die Planung und Durchführung der Spiele. Dazu zählen die Akkreditierungen für über 300.000 Personen, Sporteinträge und Qualifikationen, Mitarbeiterverwaltung und das Portal für ehrenamtliche Mitarbeiter, über das 50.000 Freiwillige organisiert werden.
  • Informationsverbreitungssysteme: Eine Gruppe von Systemen, die die Ergebnisse in Echtzeit an die Medien und Mitglieder der Olympischen und der Paralympischen Organisation übermitteln. Dazu zählen auch das CIS (Commentator Information System), das in Echtzeit Wettkampfergebnisse und Informationen zu den Athleten anbietet, sowie myInfo+, über das Medienvertreter, Athleten, Schiedsrichter, Trainer und Sponsoren Informationen einsehen können.

Atos schafft es, sich selbst immer weiter zu entwickeln bzw. neu zu erfinden und neue Anforderungen in bestehende Rahmenbedingungen zu integrieren. Das erprobte Atos-Team schafft es dabei, das gewonnene Wissen und Best Practices mit internen Verantwortlichen und Partnern zu teilen und darauf aufbauend eine kontinuierliche Verbesserung herbei zu führen. Kunden profitieren also bei Atos von hoher Innovationskraft und Standardisierung bei der Fähigkeit, individuelle und vor allem Ad-hoc-Anforderungen planmäßig nach festen Service Level Agreements umzusetzen.

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